Ein Einblick in das Leben in der DDR
Zeitzeugengespräch mit Norbert Sachse (Q4)
Er berichtete eindrucksvoll von seinem Leben und den Erfahrungen, die er mit dem SED-Staat gemacht hat.
Norbert Sachse wurde in den 1950er Jahren geboren und geriet schon früh in Konflikt mit dem Staat. Bereits als Jugendlicher begann er Flugblätter, die sich gegen die DDR richteten, zu drucken und zu verteilen. Mit 16 Jahren wurde er deshalb verhaftet. Er berichtete von zwei Wochen Untersuchungshaft, falschen Beschuldigungen, unter anderem wegen angeblichen Drogenkonsums und harten Bedingungen im Gefängnis. In einer Zelle mit sechs Doppelstockbetten und knapper Verpflegung musste er den Alltag überstehen.
Besonders eindrücklich schilderte er die politischen Zustände in der DDR, das schwarze Auto der SED-Funktionäre, die Angst vor Überwachung und die willkürlichen Verhaftungen. Nach dem Einmarsch der Sowjetunion in die Tschechoslowakei 1968 wurden Jugendliche allein wegen kritischer Äußerungen festgenommen. Auch er selbst wurde immer wieder inhaftiert. Insgesamt verbrachte er mehrere Jahre im Gefängnis, unter anderem in Cottbus. Dort herrschten strenge Regeln, harte Arbeit und eine belastende Atmosphäre.
1973 kam er im Rahmen einer allgemeinen Amnestie frei, bekam jedoch keinen Pass und durfte nicht in Grenzgebiete reisen. Später stellte er einen Ausreiseantrag. Schließlich konnte er die DDR verlassen und ging zunächst nach Göttingen, später nach Bayern.
Sein Bericht machte deutlich, wie stark politische Unterdrückung in der DDR stattgefunden hat und wie mit anders Denkenden umgegangen wurde.
Lennart Etzel und Kiyan Moini, Q4